Ein Stück Geschichte des Rheiderlandes

Löwen Apotheke Weener 1606 - 2011

Erste Apotheke im Rheiderland: Die Löwen Apotheke (1606)

Das Gründungsjahr der Löwen Apotheke in Weener wird von der Apothekerkammer in Hannover mit 1606 ausgewiesen; die Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg bestätigt diese Angabe.

Weener war dazumal noch eine kleine Ackerbürgersiedlung, so jedenfalls wird sie in der "Landbeschreibung des Amtes Leerort" als zuständigen Amtssitz für die gräfliche Verwaltung des Rheiderlandes dargestellt. Aufgeführt werden: 18 Vollhöfe, 9 halbe Höfe und 4 Viertelhöfe.

Die damaligen wirtschaftlichen Verhältnisse und die abgehaltenen Märkte stehen in einem unmittelbaren Zusammenhang. Graf Edzard Cirksena hatte im Jahre 1508 zu dem bestehenden Johannimarkt einen weiteren am Bartholomäustag, dem 24.August gewährt.

Noch allerdings konnte sich der Handels- und Kaufmannsstand nicht richtig entwickeln. Es gab Wirrnisse und Erschütterungen im Zuge der Reformation, bei der Säkularisation um das Genossenschaftspatronat im calvinistischen Rheiderland. Starke Belastungen brachte zudem der Flüchtlingsstrom aus den Niederlanden; Umwälzungen in Folge des Kampfes der Niederlande gegen die spanische Herrschaft trugen ihre Wirkungen in das Rheiderland hinein.

Selbst die bauliche Substanz Weeners wurde stark beeinträchtigt; die Feldzüge des Herzogs Alba hinterließen Spuren verheerender Geschehnisse.

Erst recht aber schlug der dreißigjährige Krieg seine Wunden: Sechzehn Invasionen musste Weener ertragen, und am Ende lagen in der Norder- und Süderstraße 59 Hausstellen "verbrannet und wust".

Die Pest, Deichbrüche und Viehseuchen hatten schwere Opfer gefordert; die Einwohnerzahl war auf dreihundert geschrumpft.

Trotz aller Krisen und Nöte konnte gegen Ende des 17.Jahrhunderts in Weener ein wirtschaftlicher Aufschwung verzeichnet werden. Um 1680 entwickelte sich hier der Pferdehandel in großem Stil, und als Zentralmarkt für Butter und Käse gewann der Ort bedeutende zusätzliche Einnahmen. Jährlich wurden mindestens tausend Pferde nach Hannover, Brandenburg, Sachsen und an die Fürstenhöfe und Bischhofssitze geliefert.

"Aus der Asche neu erstanden", so dokumentiert seitdem der Vogel Phönix im Wappen der Stadt Weener den Wiederaufstieg symbolhaft und unübersehbar.

Apotheker der Löwen Apotheke in Weener

Im Jahre 1719 waren die Hauswarte, Kaufleute, Landwirte und Handwerker in Listen erfasst. Darin wurde unter den Honoratioren auch der Apotheker Arnoldi Veltjes genannt, wahrscheinlich ein Niederländer.

1716-1729Arnold Veltjes (Besitzer)
1729-1740 Melchior Hagedoorn (Besitzer)
(?) - 1783 Leonhard Stael ( Besitzer)
1783-1814 Christoff Godfried Ernst Wahrendorff (Besitzer)
1814-1843 Anna Dorothea Kümmel, geb. Wahrendorff (Besitzer)
1843-1866 Hero Carl Friedrich Kümmel (Besitzer)
1866-1910 Adolph Leopold Kümmel (Besitzer)
1910-1919 Gustav Krehmke (Besitzer)
1919-1920 Franz Thiemann (Besitzer)
1920-1947 Ernst Graw (Besitzer)
1947-1961Emma Graw (Besitzerin)
1947-1958 Dr. Ernst Geyer (Pächter)
1956-1961 Dr. Gerhard Pyrkosch (Pächter)
1961-17.04.2000 ders. (Besitzer)
01.01.1981 - 17.02.1999Monika Houwtrouw, geb Pyrkosch (Pächterin)
19.02.1999 - 27.06.1999dies. (Besitzerin)
28.06.1999 - 29.06.2003 Martina Platz (Besitzerin)
30.06.2003 - 23.11.2004 Leerstand
25.11.2004 Dr. rer.nat. Gerd-Dieter Aden (Besitzer)

Trotz Kriegen und Nöten: die Apotheke lebt

In der instabilen und schweren Zeit nach dem ersten Weltkrieg waren Hunger und Not durchzustehen: Rationalisierte Lebensmittel, erschreckend hohe Arbeitslosenzahl, notdürftige Verkehrsmöglichkeiten, Ernährung aus Volksküchen für Kinder sind nur einige Merkmale dieser unglückseligen Zeitspanne, in der dann schließlich die Inflation die letzten Ersparnisse dahinraffte.

Am 16.12.1920 übernahm der Apotheker Ernst Graw die Löwen Apotheke. Er führte die Apotheke bis zum 30. Juni 1947. Eine fast 20-jährige Friedenszeit und über fünfeinhalb Kriegsjahre waren darüber hingegangen.

Als die Kanadier nach erbitterten Kämpfen im südlichen Rheiderland Mitte April 1945 in Weener einrückten, hatte Apotheker Graw mit seiner Familie und Untermieter im Keller der Löwen Apotheke tagelang andauernden Beschuss lebend überstanden. Bei der Sprengung der Friesenbrücke waren nahezu alle Fensterscheiben zu Bruch gegangen.

Das Rheiderland war zur "Insel" geworden; bis 1951 fuhr man zur Kreisstadt Leer über eine Behelfsbrücke bei Meppen. Das bedeutete für Hin-und Rückfahrt eine Fahrstrecke von 256 Kilometer.

Am 1. Juli 1947 übernahm Dr. Ernst Geyer die Löwen Apotheke. Die Versorgung mit Medikamenten blieb noch lange mangelhaft, und die Währungsreform stand noch bevor. Die Situation dieser Zeit zwang allerorten zur Einschränkung vieler Lebensbedürfnisse. Dr. Geyer griff energisch zu, unterstützt von seiner Frau. Es gelang ihnen, sich nach verhältnismäßig kurzer Zeit in den Besonderheiten der ostfriesischen Umgebung zurechtzufinden und sich an den plattdeutschen Umgang zu gewöhnen.

1958 fand ein Apothekerwechsel statt, Dr. Pyrkosch pachtete die Löwen Apotheke und erwarb sie 1961 käuflich. Dr. Pyrkosch stammte aus Schlesien. Seinem Großvater, dem geheimen Sanitätsrat Dr. Pyrkosch wurde 1871 für seine Verdienste der preußische rote Adlerorden verliehen.

Dr. Gerhard Pyrkosch absolvierte die praktische und wissenschaftliche Ausbildung in der väterlichen Apotheke und in der königlichen Jesuiter Apotheke in Liegnitz. Es folgte das Studium der Pharmazie, Mineralogie und Botanik. Für wissenschaftliche Arbeiten wurde eine Goldmedaille vom Badischen Ministerium des Innern verliehen.

Nach dem Verlust der schlesischen Heimat und der elterlichen Apotheke und der Apotheke seiner Frau begann ein mühsamer Anfang in der pharmazeutischen Industrie. Alte Rezepturbüchlein die heute noch in der Löwen Apotheke liegen zeugen von der erfolgreichen naturwissenschaftlich-pharmazeutischen Arbeit des Dr. Pyrkosch.

Aus dieser Arbeit heraus entstanden auch die Spezialitäten der Löwen Apotheke, die Arzneimittel von Dio. Am 1. Januar 1981 wurde die Löwen Apotheke von Dr. Pyrkosch an seine Tochter Frau Monika Houtrouw verpachtet. Das naturwissenschaftliche Erbe lag damit in Händen der dritten Generation der Familie Pyrkosch.

Bis zum Juni 1999 führte Frau Houtrouw die Apotheke, dann übernahm Frau Martina Platz bis 2003 die Löwen Apotheke. In dieser wechselvollen Apothekengeschichte gab es zum ersten Mal einen Leerstand vom Juni 2003 bis November 2004. Am 25.11.2004 übernahm Dr. Gerd-Dieter Aden die Löwen Apotheke.

Mit dieser Chronik wird ein geschichtlicher Überblick der Löwen Apotheke seit ihrer Gründung bis zur Gegenwart beschrieben. In dieser Darstellung konnten nur die besonders hervorragenden Ereignisse und Begebenheiten erwähnt werden. In vielerlei Einzelheiten zeigt sich der jeweils herrschende Zeitgeist und die Eigenart ostfriesischer Menschen. Wechselhaftes und beständiges zieht nebeneinander her durch die Zeiten.

Zu dem Beständigen darf die Berufsauffassung der Apotheker gezählt werden. Den hier wirkenden Apothekern ist Lob und Anerkennung zuteil geworden. Mehr noch zählt das Vertrauen der Bevölkerung, das sich im Auf und Ab der mehrhundertjährigen Geschichte als beständig und gerechtfertigt erwiesen hat.

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